Rätselhaftes Reiben
Sakrale Felsen oder alpine Astronomie?
Wozu dienten Schalensteine?
Da und dort entstanden Wetzrillen und Schalen durch das Ausreiben von heilbringendem Steinpulver, von dem schon aus römischer Zeit berichtet wurde. Spuren davon sieht man an Kirchenportalen, an „Wundersteinen“ wie auf dem niederösterreichischen Sonntagberg oder an Gräbern wie jenem von Bruder Klaus im schweizerischen Sachseln.
Schalensteine dienten auch profanen Zwecken, etwa als Mörser, in denen Getreide oder Ocker zermahlen wurde, als Wasserbehälter und als Schalen zum Suppenkochen mittels heißer Steine. Sie entstanden als Löcher beim Feuermachen oder beim Zerkleinern von Erz bei Bergwerken, zur Harz- und Pechölgewinnung oder auch als Lagerpfannen für Drehpfosten. Löcher zur Aufnahme von Dengelsteinen beim Grasmähen stehen da und dort bis heute in Gebrauch. Schalen konnten Grenzzeichen sein, Wegweiser oder Markierungen von Versammlungs- und Gerichtsstätten.
Der häufig postulierten Bedeutung von Schalensteinen für astronomische Messungen erteilen viele Wissenschafter:innen heute eine Absage. So stellte etwa der Schweizer Mathematiker und Schalensteinexperte Urs Schwegler fest: „Astronomische Messung mit Hilfe von Schalen und Stäben als Visiereinrichtung ist und war wegen der erforderlichen Genauigkeit der Messung nicht durchführbar.“
… und Menschenopfer?
Findet man solche Relikte in der Nähe von Schalensteinen, dann können diese eventuell auf das Alter der Vertiefungen hindeuten. Bloß Anhaltspunkte für eine Zeitstellung gibt das Gestein, in dem sie hergestellt wurden – Schalen in Granit können beispielsweise sehr alt sein, in Sandstein oder wasserlöslichem Kalk verwittern sie dagegen rasch. Gewissheit gibt es selbst dann nicht, wenn sie neben datierbaren Felsbildern auftreten, denn niemand weiß, ob sie zur gleichen Zeit geschaffen wurden.
Nur selten lassen sich Fakten wie in der piemontesischen Stadt Susa feststellen. Dort bauten die Römer im dritten nachchristlichen Jahrhundert ein Aquädukt auf einen mit Stufen und Schalen versehenen Kultstein, der also älter sein muss.
So bleiben viele Fragen offen, die der Faszination, die von Schalensteinen ausgeht, jedoch keinen Abbruch tun – ganz im Gegenteil!